22.12.2020 – Open Air Killesberg

22.12.2020 – Der ins Wasser gefallene Sommernachtstraum

Ein lang gehegter Wunsch sollte 2010 in Erfüllung gehen: ein Open-Air auf der Freilichtbühne Killesberg.

Es war nicht nur ein anspruchsvolles Konzertprogramm zu erarbeiten (Mendelssohns „Sommernachtstraum“ und die „Erste Walpurigsnacht“), sondern es war vor allem logistisch eine Herkulesaufgabe: Die ca. 10.000 (in Worten: zehntausend) Plastikstühle für das Publikum mussten herangeschafft, aufgebaut, mit Platznummern versehen und geputzt werden, dazu der komplette Bühnenaufbau mit Licht und Ton, und es musste -anders als in unseren sonstigen Konzertorten- das meiste von Hand getragen werden, weil man mit den Transportfahrzeugen nicht bis an den Bühne fahren durfte. Wir mussten die Ordner, Garderoben und Kassen selbst organisieren und vieles, vieles mehr. Die Projektleiter (allen voran Isabel Strobelt) hatten wochenlang alle Hände voll zu tun. Doch letztlich war alles in (noch) trockenen Tüchern.

Die letzten Tage vor dem Event waren die heißesten Tage des Jahres mit Temperaturen weit über 30 Grad Celsius. Die Proben mit dem extra für dieses Konzert zusammen gestellten Profi-Orchester im Schubert-Saal der Liederhalle waren aufgrund der hohen Temperaturen eine echte Herausforderung. Nach der Generalprobe war unsere größte Sorge auch, dass uns das Publikum in der Arena der Freilichtbühne während des Konzerts reihenweise in der Hitze kollabieren könnte.

Doch es kam alles ganz anders…

Schon in der Nacht zum 4. Juli 2010 gab es in und um Stuttgart schwerste Unwetter mit bis dahin nur selten gemessenen Regenmengen. In manchen Stadtteilen Stuttgarts hieß es: „Land unter“, und Gerlingens Straßen verwandelten sich in eine Flußlandschaft.

Und als wir zum Aufbau in die Freilichtbühne fuhren, goss es wie aus Kübeln. Im ströhmenden Regen mussten wir die tausende Stühle schleppen, obwohl jetzt schon klar war, dass sich der Besucherandrang bei diesem Wetter wohl in Grenzen halten würde, aber „die Hoffnung stirbt zuletzt!“.

Die Bühne war zwar überdacht, doch diesen Regenmengen hielt auch sie nicht Stand, und so mussten sich noch in der Stellprobe immer wieder Instrumentengruppen „in Sicherheit“ vor dem Regen bringen.

„I’m singing in the rain“ der Solitude-Chor beim Open Air im Juli 2010

Die Idee war eigentlich toll…

Nachmittags gab es ein Kinderkonzert, in dem wir unseren kleinen Zuhörern anhand der Walpurgisnacht zeigen wollten, wie es ein Komponist wie Felix Mendelssohn Bartholdy schafft, Natur darzustellen, Spannung zu erzeugen und vieles mehr. Dazu die Vorstellung der einzelnen Instrumente.

Von den aufgebauten 40 Reihen waren letztlich nur die ersten 2 bis 3 besetzt. Und auch wenn die Kinder, die in ihren Regenponchos da saßen, völlig begeistert waren, war es doch für uns als Organisatoren ein Desaster.

Und es wurde nicht besser

Es hörte zwar zwischem dem Kinder- und Hauptkonzert auf zu regnen, aber pünktlich zur Ouvertüre öffnete Petrus wieder die Schleusen. Wir hatten einen bestens vorbereiteten und gutgelaunten (Solitude-) Chor, ein fantastisches Orchester, herausragende Solist*innen und als Stargast und Sprecher Rufus Beck. Alles eigentlich die besten Voraussetzungen für ein gutes Konzert – wäre da nicht der Dauerregen, der auf das Publikum hernieder ging.

Gekommen waren nur unsere treuesten Fans. Viele andere ließen ihre bereits gekauften Karten lieber verfallen, als sich einen Abend lang in den strömenden Regen zu setzen, und so waren nur die ersten paar Reihen belegt und die Besucher saßen (mit uns zur Verfügung gestellten) Regenponchos oder ihren Regenschirmen da – es war einfach zum Heulen.

Das Konzert selbst wurde erwartungsgemäß wunderschön und stimmungsvoll, und auch das (wenige) Publikum war total begeistert und klatschte endlos mit regennassen und klammen Händen.

Doch unsere Enttäuschung war dennoch sehr groß. Aus einem gigantischen Open-Air-Event ist letztlich nur ein kleines Regenkonzert übrig geblieben. Und neben dem finanziellen Desaster waren auch Hunderte von Arbeitsstunden umsonst. Und es war am Tag darauf schon sehr bitter, die vielen Stühle wieder abzubauen ohne dass wir sie wirklich gebraucht hätten. Doch auch hier hat der Solitude-Chor seine große Stärke gezeigt: der guten Stimmung und dem Zusammenhalt hat das Ganze keinen Abbruch getan – im Gegenteil: beim Gläschen Sekt direkt nach dem Abbau haben wir auf unser erstes (und bisher letztes) Open-Air-Konzert angestoßen.


Bilder:

das Gruppenbild im Text ist von Uwe Hennings, alle anderen Bilder sind Hansjörg Maier – herzlichen Dank!